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Acerca de

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Solider Lungentumor
bei Kaninchen

Definition 

Als solide Tumoren werden Neubildungen von Gewebe bezeichnet, die überall im Körper auftreten können. Bei weiblichen Kaninchen treten solide Tumore meistens in der Gebärmutter und in der Gesäugeleiste auf. Bei männlichen Kaninchen kommen solide Tumore häufig in den Hoden vor, weswegen viele Tierärzte eine Kastration von männlichen und weiblichen Kaninchen empfehlen.

Solche Primärtumore sorgen häufig für eine Metastasenbildung in der Lunge. Metastasen sind Tochtergeschwülste, die sich aufgrund eines bösartigen Primärtumors bilden. Sieht man auf einem Röntgenbild Metastasen in der Lunge, deutet dies auf die Existenz eines Primärtumors irgendwo anders im Körper hin. Metastasen erkennt man durch viele kleine, helle Herde in der Lunge.

Seltener kommt es bei Kaninchen zu einer soliden Tumorbildung in der Lunge. Hierbei bildet sich der Primärtumor direkt in der Lunge.

Je größer der Tumor wird, desto stärker drückt er auf die Organe und erschwert die Atmung des Kaninchens. Wird das Kaninchen nicht erlöst, erstickt es.

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Ein Kaninchen mit Atemnot, erkennbar an der weit aufgerissenen Nase und dem leicht geöffneten Maul (Maulatmung).

Diagnose

Eine Diagnose kann über Röntgenaufnahmen erfolgen. Das Kaninchen sollte hierfür am besten aus mehreren Positionen geröntgt werden.

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Die Lunge wird nur unzureichend mit Sauerstoff versorgt. Das Herz ist vergrößert und es ist ein solider Lungenturmor zu erkennen.

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A

B

A = Herz (vergrößert)

B = Solider Lungentumor

Lohmann, Kaninchen Pinsel, Röntgenbild v

Wie sieht eine gesunde Lunge aus?

Eine gesunde Lunge weist auf einem Röntgenbild viel schwarz auf. Die schwarze Färbung auf einem Röntgenbild zeigt Bereiche an, die Luft aufweisen. Ist auf dem Röntgenbild im Bereich der Lunge viel schwarz zu sehen, weist das auf eine gute Durchlüftung der Lunge hin. Dieses Kaninchen hat eine gesunde Lunge.

Pathogenese

Ist der Tumor in der Lunge klein, so zeigt das Kaninchen selten Symptome. Je größer der Tumor wird, desto stärker sind auch die Beschwerden. Zunächst kommt es zu einem Konditionsverlust. Das Kaninchen bewegt sich weniger und zeigt nach Anstrengung eine angestrengtere Atmung. Dies äußert sich durch heftiges Hochreißen des Nasenflügels und leichter Flankenatmung.

Im weiteren Verlauf erblassen die Schleimhäute und wirken blau. Blasse Schleimhäute deuten auf eine Blutarmut (Anämie) oder einen niedrigem Blutdruck (Hypotonie) hin. Die Blaufärbung entsteht durch einen verminderten Blutfarbstoff durch Sauerstoffmangel im Blut. Sind Schleimhäute rot, ist der Körper gut durchblutet. Sind sie blass oder sogar bläulich, weist das auf einen Sauerstoffmangel hin.

Die Flankenatmung wird stärker und auch das Anheben der Nasenflügel wird stärker. Es kann zu Maulatmung kommen. Der Kopf wird in den Nacken gelegt, um die Atmung zu erleichtern.

Beurteilung der Schleimhäute durch Beobachtung

Es empfiehlt sich immer mal auf die Schleimhäute seiner Kaninchen zu achten, um die Farbe zu beurteilen. Das geht zum Beispiel, wenn sich die Kaninchen putzen oder gähnen. 

Die Zunge dieses Kaninchens wirkt hell, blass und leicht bläulich. Es leidet unter Sauerstoffmangel. 

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Die Zunge dieses Kaninchens ist dunkelrot und gut durchblutet. Dieses Kaninchen hat keinen Sauerstoffmangel.

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Beurteilung der Schleimhäute

Um die Farbe der Schleimhäute seines Kaninchens zu beurteilen, zieht man die Haut am Maul sanft zurück. 

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Zu erkennen sind blasse Schleimhäute.

Symptome

  • Konditionsverlust

  • Schwäche

  • Gewichtsabnahme

  • Stumpfes Fell

  • Verhaltensänderung (Aggression)

  • starkes Anheben der Nasenflügel

  • Flankenatmung

  • blasse oder bläuliche Schleimhäute

  • Anheben des Kopfes in den Nacken, um die Atmung zu erleichtern

  • eventuell Atemgeräusche

  • Maulatmung

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Medikamentöse Therapie:

Eine Heilung von einem soliden Lungentumor beim Kaninchen ist noch nicht möglich. Allerdings kann in einem frühzeitigen Stadium das Tumorwachstum gehemmt werden. Außerdem kann man den Kaninchen helfen, indem man die vorliegende Symptomatik gezielt behandelt. Ein frühzeitiges Handeln vom Kaninchenhalter ist bei einem soliden Lungentumor sehr wichtig. Das Kaninchen sollte bei dem kleinsten Anzeichen von Symptomen einen kaninchenkundigen Tierarzt vorgestellt werden. 

Wird der solide Lungentumor in einem frühzeitigem Stadium festgestellt, kann dem Kaninchen bei Flüssigkeitsansammlugen in der Lunge durch eine Applikation von Diuretika eine Stabilisierung bewirken. Diuretika sind entwässernde Medikamente.

Zeigt das Kaninchen Schmerzanzeichen, kann eine Schmerztherapie erfolgen.

Je nach Stärke der Symptome muss entschieden werden, ob eine Therapie sinnvoll ist. Leidet das Kaninchen an hochgradiger Atemnot (Maulatmung, in den Nacken legen des Kopfes, blaue Schleimhäute), sollte es euthanasiert werden.

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Auch wenn dieses Kaninchen gemütlich mit seinem Freund zu kuscheln scheint, leidet es unter Atemnot. Zu sehen ist dies an den auffällig weit geöffneten Nasenflügeln.

Unterstützende Therapie durch den Halter:

  • Fütterung von krebshemmenden, herzstärkenden und entwässernden Futtermitteln

  • Stressreduktion

  • rechtzeitiges Handeln bei starker Atemnot, damit das Tier nicht qualvoll ersticken muss

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Krebshemmende Futtermittel:

  • Brokkoli

  • Rosenkohl, Grünkohl

  • Weißkohl

  • Rotkohl

  • Chinakohl

  • Kohlrabi

  • Steckrüben

  • Senf

  • Salbei

Weit geöffnete Nasenflügel, leicht geöffneter Mund und in den Nacken gelegter Kopf deuten auf starke Atemnot hin. Das Kaninchen hat die Augen leidend zugekniffen. Die Wirbelsäule tritt stark hervor und es hat in kurzer Zeit erheblich abgenommen. Das Fell wirkt wie elektrisiert und steht leicht vom Körper ab. Es musste erlöst werden. 

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Die fünfjährige Riesenschecken-Zippe, Rin, zeigte ein leichtes Anheben ihrer Nasenflügel bei jeder Atmung. Ich bin zum Tierarzt gefahren, der Rin abhörte und innerhalb von etwa 15 Sekunden „Kaninchenschnupfen“ diagnostizierte. Ich habe ihm sofort meine Zweifel geäußert, da Rin weder Nasen- oder Augenausfluss zeigte. Ihre Pfoten waren sauber, anders als schnupfenkranke Kaninchen, die sich das Fell an den Pfoten durch häufiges Putzen verschmutzen. Der Tierarzt hat weder eine Tupferprobe, noch eine Nasenspülprobe für eine sichere Diagnose entnommen und ist nicht auf meine Zweifel eingegangen. Er hat Rin sieben Tage Antibiotikum verschrieben.

Es erfolgte keine Besserung der Symptomatik.

Getrieben von meinen Zweifeln bin ich zu einer anderen Tierarztpraxis gefahren. Die Tierärztin hat mir zugehört und Rin auf mein Bitten geröntgt. Als sie mir das Röntgenbild zeigte, sprach sie von einem vergrößerten Herz und kaum vorhandenen Lungenbläschen. Das Wort „Lungentumor“ fiel allerdings nicht.

Ich sollte Rin weitere zehn Tage Antibiotikum geben.

Nach Ablauf der Zeit habe ich die Tierärztin angerufen und ihr erzählt, dass sich Rins Symptomatik weiter verschlechtert hat. Ich habe ihr gesagt, dass Rin an Gewicht abbaut, ihre Wirbelsäule hervortritt und, dass sie immer schlechter Luft bekommt.

​Erfahrungsbericht 

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Daraufhin wurde mir Cardiospermum D2 (Globuli) und Membrana naslium comp. PlantaVet verschrieben. Ich habe nichts gegen Homöopathie und alternative Heilmethoden – im Gegenteil. Ich bin ein großer Fan von Wildkräutern und deren Heilwirkung. Allerdings halte ich nichts davon, Kaninchen, die unter akuter Atemnot leiden, mit Globuli zu behandeln!

Ich habe mich hilflos gefühlt, weil ich mit ansehen musste, wie Rins Zustand immer schlechter wurde und selbst nicht wusste, was Rin hat. Irgendwann war es soweit, und ich musste sie einschläfern lassen, weil sie sonst erstickt wäre.  

Die Ungewissheit woran Rin nun gestorben ist, hat mich innerlich aufgefressen. Stundenlang habe ich mich mit ihrem Röntgenbild beschäftigt. Ich habe gelernt Röntgenbilder besser zu verstehen und zu deuten und mir viele Vergleichsbilder angeschaut und Fachliteratur gelesen.

Ich weiß nun: Rin ist an einem soliden Lungentumor gestorben.

Und wieder einmal bin ich an absolut unfähige Tierärzte gelangt, was die Diagnostik von Erkrankungen von Kaninchen betrifft. Und wieder einmal habe ich gelernt, dass ich mich nicht auf die mangelhaften Diagnosen verlassen kann, die innerhalb von wenigen Sekunden und ohne stützende Beweise gestellt werden.

Beim nächsten Mal würde ich auf das Anfertigen von mehr als nur einem Röntgenbild bestehen und ich würde schneller handeln, wenn sich die Diagnose eines Tierarztes nicht richtig anfühlt. Diese Erkenntnis bringt mir Rin jedoch nicht wieder zurück.

Quelle:  Ewringmann, A. (2016): Leitsymptome beim Kaninchen: diagnostischer Leitfaden und Therapie; 3. Auflage, Georg Thieme Verlag.

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